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Freie Wählerschaft Grassau
11.03.2015

Wertstoffhof-Standort bleibt umstritten

Von: Tamara Eder

Diskussionsabend für Bürger mit Behörde und Experten

Der geplante Wertstoffhof im Modell wäre zur Straße hin offen und zur Wohnbebauung geschlossen.

Im Modell wurden auch die Wohnhäuser nachgebaut, die hier im Vordergrund zu sehen sind. Vom Wertstoffhof wäre von dort aus lediglich die hintere Wand des Wertstoffhofes, die begrünt werden soll, zu sehen.

Im Wertstoffhof solle ein Einbahnverkehr herrschen und 28 Parkplätze vorhanden sein. Die Entfernung zur Wohnbebauung wurde anhand des Modells ebenfalls nachempfunden.

Größtenteils sachlich verlief die Diskussion um den geplanten Wertstoffhof im Gewerbegebiet Eichelreuth. An der Diskussionsrunde im vollbesetzten Heftersaal beteiligten sich neben dem Bürgermeister Rudi Jantke auch die Vertreter des Landratsamtes, darunter Dr. Birgit Seeholzer, Leiterin Bereich Aballwirtschaft wie auch Thomnas Karrasch, Leiter Immissionsschutz.

Eingangs informierte Jantke, dass die Entfernung zum bestehenden Wertstoffhof, die Öffnungszeiten und auch das an Stoßzeiten entstehende Verkehrschaos auf dem Platz kritisiert werde. Zudem können auf Grund des Platzmangels kein Sperrmüll, Holz und Elektrogeräte angeliefert werden. Er erklärte, dass der Wertstoffhof über die Müllgebühren vom Landkreis, der eine Pauschale für den Betrieb zahle, finanziert werde. Nur ein mit Marquartstein und Staudach-Egerndach gemeinsamer Wertstoffhof könne wirtschaftlich betrieben werden, so Jantke. Folglich müsse der Standort auch möglichst zentral zwischen den drei Gemeinden und Ortsteilen Mietenkam und Rottau liegen. Zunächst sei der ehemalige Holzlagerplatz, ein gemeindliches Grundstück, am Kreisverkehr vorgesehen gewesen. Nach dem aber die Firma Katek den Grund erwerben möchte, um hier ein neues Logistikgebäude zu realisieren, entschied der Marktgemeinderat diesen Platz an Katek, dem mit 450 Arbeitsplätzen größtem Unternehmen am Ort, diesen Grund zu veräußern. Die europaweite Ausschreibung für den neuen Wertstoffhof erfolgte grundstücksoffen, so dass sich der Betreiber selbst um ein Grundstück kümmern muss. Verhandlungen für mehrere Grundstücke und Standorte in Grassau laufen. Der einzig bislang gesicherte Standort sei aber der viel diskutierte Gewerbegrund in Eichelreuth. Im Bebauungsplan sei geregelt, dass der Lärmpegel zwischen 6 und 20 Uhr 55 Dezibel nicht überschreiten darf. Auch sei der Gewerbegrund nicht im Eigentum der Gemeinde und jeder Privateigentüber habe ein Anrecht sein Baurecht zu nützen. Die Wertstoffinseln in Rottau und Mietenkam werden trotz Wertstoffhof aufrechterhalten. Nur der Containerplatz an der Gänsbachstraße soll aufgelöst werden.

Birgit Seeholzer erklärte das Abfallkonzept des Landkreises, wonach möglichst alle Wertstoffe einer Verwertung zugeführt werden sollen ."Die Bürger haben eine Rückgabepflicht für alle elektrischen Geräte, die nicht mehr funktionieren", sagte sie. Die Vorteile des geplanten Wertstoffhofes lägen in längeren Öffnungszeiten, aber höchstens wochentags von 8 bis 18 Uhr, einem größeren Angebot an Wertstofffraktionen und einer besseren Erreichbarkeit. Die Grassauer haben bislang am weitesten zu fahren bis zum Wertstoffhof. Fußgängig sei dieser nicht zu erreichen. Im Wertstoffhof wird ein Einbahnverkehr realisiert und Besucherverkehr von den Arbeitsabläufen getrennt. Auch betonte Seeholzer, dass gefährliche Abfälle wie Batterien, Lacke und Lösungsmittel dort nicht gesammelt werden und weiterhin das Giftmobil unterwegs ist. Zum gelben Sack informierte sie, dass dies eine politische Entscheidung sei und selbst wenn dieser einmal kommen sollte, die Wertstoffhöfe weiterhin offen bleiben. Die Ausschreibungsfrist laufe am Montag ab und werde dann von einem Fachbüro geprüft. In Betrieb gehen solle der Wertstoffhof zum 1. Juli 2016. "Wir wollen den Service für Grassau mit einem gut gestalteten, optimierten Wertstoffhof verbessern", so Dr. Seeholzer.

Ingeneur Christian Sextl, vom Biomassehof beauftragt einen Vorentwurf zu planen, zeigte, wie der Wertstoffhof in Eichelreuth aussehen könnte. Auf dem 3260 Quadratmeter großen Grundsütck würde ein 110 Meter langes U-förmiges Gebäude, zur Innenseite offen mit Pultdach entstehen. Im hinteren Bereich hat das umlaufende Gebäude eine Höhe von 5,30 und nach innen von 7,30 Meter. 28 Parkplätze und vier Anhängerparkplätze seien ebenfalls im Innenbereich vorgesehen. Die offene Seite sei der Wohnbebauung abgewandt. Im Schallschutz-Gutachten wurden Werte tagsüber von unter 45 Dezibel ermittelt. Zur Geruchsimmission erklärte er, dass Grüngut in Containern gesammelt werde. Von der Wohnbebauung sehe man nur auf die Rückseite des Hofes und diese werde begrünt.

In der Diskussion meldete sich Jürgen Sterr von der Interessensgemeinschaft gegen den Wertstoffhof zu Wort und kritisierte, dass sich das Schallgutachten auf Prognosen beziehe und fragte, wie eine Nachrüstung, sollten die Werte nicht möglich sein, realisiert werden könnte. Thomas Karrasch erklärte, dass es verschiedene Möglichkeiten gebe. Zum einen können die Glas- und Schrottcontainer so situiert werden, dass am wenigsten Lärm verursacht werde. Seeholzer fügte an, dass nur schallschutzgedämmte Glascontainer verwendet werden. Zudem wollte Sterr wissen, ob im Schallschutzgutachten auch die Lärmpegel der anderen benachbarten Betriebe eingerechnet wurden. Laut Planer beziehe sich das Gutachten nur auf den geplanten Wertstoffhof. Jantke informierte, dass im Zuge der Baugenehmigung ein Immissionsschutzgutachten von einem unabhängigen Gutachter vorgelegt werden müsse. Es könne sein, dass durch den Wertstoffhof auch die Schallimmissionen vom Biomassehof geringer werden. Ein weiterer Bürger meinte, dass der Standort sehr unglücklich sei und ein Wertstoffhof nicht in unmittelbare Umgebung einer Wohnbebauung gehöre. Zudem hätte zwischen Gewerbegeibet und Wohnbebauung ein Mischgebiet als Puffer entstehen müssen. Laut Karrasch stelle sich diese Frage nicht, da das Gewerbegebiet bereits vorhanden ist. Zulässige Werte seien definiert. Wo die Geräuschquellen sitzen, spiele keine Rolle. Seeholzer wiederholte, dass die Ausschreibung standortneutral erfolgte, mit der Maßgabe, dass vom Mittelpunkt, ungefähr Reifinger Straße, im Radius von 1100 Metern ein Grundstück gefunden werden müsse. Einen Gewerbegrund zu bekommen sei aber nicht einfach, so Seeholzer. Zur Ansicht von Marco Diesing, dass der Wertstoffhof bis auf 18 Meter an die Wohnbebauung heranrücke, entgegnete der Rathauschef, dass die Abstände weit mehr als 25 Met wären. Ob der bestehende Wertstoffhof vergrößert werden kann, interessierte Hans Genghammer. Laut Seeholzer wäre es an diesem entlegenen Standort nur eine Insellsung. Der Wertstoffhof solle möglichst nah an die Bürger. Jürgen Sterr fragte nach, ob hinter den ehemaligen Ruwel-Werken eine Möglichkeit bestehe. Laut Jantke kämen ständig Anfragen auf Erwerb dieser Gewerbeflächen. Diese sind aber in privater Hand. Auch könne er, Sterr, sich vorstellen, dass aus dem weiterern Achental Bürger den Wertstoffhof besuchen und fragte, ob diese einkalkuliert wurden . Gemäß Seeholzer wurde beim schalltechnischen Gutachten von 350 Fahrzeugen täglich ausgegangen und bewusst hoch angesetzt. Weitere Befürchtungen der Anlieger waren, dass auch Ungeziefer kommen könne, oder aber der Verkehr Fußgänger beeinträchtigt. Schließlich war noch die Rede von einer Bürgerbefragung und einem Bürgerbegehren. Laut Jantke müsse vorab geklärt werden, ob dies rechtlich möglich sei. Für ihn, Jantke, sei es wichtig im Sinne aller Bürger zu handeln und für die Allgemeinheit mehr Service zu schaffen.